Ein erster Blick auf Windows 7

 

Vorgeplänkel

Vielen Dank an Adrian, dessen Hinweis mich dazu gebracht hat, im Technet mal wieder nach Neuigkeiten zu kramen. Österreichische Kollegen sammeln derweil gerade Erfahrungsberichte zur aktuellen Betaversion des Vista Nachfolgers und Daniel Melanchthon wünscht allen viel Spass. Grund genug für mich, auch mal nachzusehen – und tatsächlich, Windows 7 steht in Deutsch und als ISO zum herunterladen bereit. Was liegt also näher, als die Beta kurz anzutesten und einen Artikel darüber zu schreiben?

Die erste Überraschung ist, dass offensichtlich immer noch eine 32Bit Version vorgesehen ist. Ich vermutete, Vista sei der letzer 32-bitter gewesen. Gut für mich, denn mein Notebook ist auch noch so ein Fossil. Der rund zweieinhalb GB große Download war fix angeschoben, dann hieß es erst einmal abwarten.

Vorbereitung und Installation

Während des Downloads formulierte ich für mich selbst die Ziele dieses kleinen Tests. Ich möchte zuerst den höchst subjektiven „Look and Feel” und die ersten Impressionen testen. Für die „Featuritis”, die jedes Detail listenartig erläutert und sauber mit den Vorgängerversionen vergleicht, gibt es die hochbezahlte Fachpresse, der ich diesen Part gerne überlasse. Die Frage, die ich mir stelle, ist: “Wie kommt ein Erstanwender damit zurecht” oder: „Was möchte man mir mit diesem neuen Betriebssystem sagen?”

Alles gleich auf „wie gewohnt” umzustellen, kommt genau so wenig in Frage, wie googeln. Ich dokumentiere auch eventuelle Blößen, die ich mir gebe. Die interne Hilfe kommt vorerst nur im Notfall in Frage. Wie „echte Anwender” halt. Die Oberfläche zu erkunden, Neuerungen ebenso und erste Netzwerktasks durchzuführen, stehen mit auf der Liste. In den Genuss der Aero-Oberfläche werde ich wohl nicht kommen. Schade, aber das Leben ist nun einmal kein Wunschkonzert oder so ähnlich.

Mein Test läuft auf einem Toshiba Notebook unter Vista Ultimate. Als Virtualisierer kommt VMWare Workstation 6 zum Einsatz. Die VM bekommt 1280 MB RAM spendiert, das sollte vorerst reichen. Im VMWare Profil verwende ich Vista, mal sehen, ob es klappt. Der vereinfachte Installer aus VMware ermöglicht es, den Product Key schon im Vorfeld anzugeben. Die Netzwerkkarte läuft im Bridged-Modus und soll vom lokalen Router per DHCP bedient werden.

Die Installation startet durch und erinnert ziemlich stark an Vista, nur mit anderer Grafik. Einmal auf “weiter” und schon läuft die Installation tatsächlich bis zum Schluss sauber durch. Damit sollte wohl wirklich jeder zurechtkommen.

Erste Eindrücke

Der Bootscreen stimmt den Anwender mit einem effektvoll umgestalteten, einfliegenden Windows-Logo auf das neue Betriebssystem ein. Der Anmeldebildschirm ist in einem gedeckten Blau gehalten, der wohl eine Unterwassersituation darstellen soll.

Nach der Anmeldung begrüßt mich die Unterwasseroberfläche erneut. Ein Fisch glotzt etwas unmotiviert Richtung Papierkorb und blubbert. Das Szenario erinnert mich etwas an selige Win95 Zeiten, nur die Muschel als Mauszeiger fehlt noch. Das Soundschema hat sich nicht verändert.

Mein erster allgemeiner Eindruck ist gut. Der Desktop kommt aufgeräumt daher. Im Vergleich zu Vista vielleicht auch etwas „kantiger”. In der neu gestalteten Taskleiste fehlt die mir liebgewordene Schnellstartleiste. Anstelle derer befinden sich neben dem Windows-Startknopf die Symbole für den Internet Explorer, den Windows Explorer und den Media Player. Die Symbole lassen sich beliebig hin und her sortieren. Zieht man ein Symbol in die Mitte der Taskleiste, schnellt es wie am Gummiband zurück nach links zu den anderen.

Initiale Konfigurationstasks

Zunächst werde ich vom System gefragt, in welcher Umgebung sich mein Rechner aufhält. Die Auswahl beeinflusst später die Sichtbarkeit des Rechners im Netzwerk, die Freigabeeinstellungen usw. Ich wähle wahrheitsgemäß das „Heimnetz”. Danach soll ich eine „Heimnetzgruppe” (*brrrr* ekliges Wort) erstellen. Die Heimnetzgruppe soll den Netzwerkzugriff vereinfachen. Ich wähle aus, welche Daten ich standardmäßig freigeben möchte. Auf der nächsten Seite wird mir ein Passwort gezeigt, welches ich dann später wohl im Heimnetz verteilen muss und den einfachen Zugriff auf die Daten ermöglicht. Offenbar funktioniert das Heimnetz nur mit anderen „7″ Rechnern. Weiteres bleibt erstmal im Dunkeln.

In der rechten unteren Ecke nörgelt, wie gewohnt, irgendetwas rum. Bei genauerer Betrachtung ist es das „Action Center”. Das Sicherheitscenter, wie es in Vista auf Deutsch heißt, benachrichtigt den Anwender, wenn das System irgendwo ein Problem sieht. Wie ich später erlesen darf, überwacht das AC bis zu 10 Windows Komponenten und alarmiert den Anwender bei Bedarf. In meinem Fall erst einmal Windows Update und der Virenscanner. WinUpdate hat eine Defender-Signatur parat und der Virenscanner verweist auf eine Website mit kompatiblen Programmen, die wiederum auf die Herstellerwebsites verweisen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich viele viele Menschen sehr lange Gedanken gemacht haben – um den Begriff “Action Center” zu kreieren.

Der Explorer

Im Explorer fällt zunächst auf, wie Microsoft seine Abstraktionsstrategie gegenüber dem Anwender vorantreibt. Im Baum ist das Computersymbol nach unten gerutscht. Das klassische Browsen im Dateisystem soll wohl nicht tonangebend sein. Ins Auge springen zuerst die virtuellen Objekte, beginnend mit den „Favoriten”. Das offensichtlich umbenannte „Linkfavoriten” funktioniert wie gewohnt als eine Art Schnellzugriffsleiste für Ordner und Verknüpfungen. Das Symbol der Favoriten – den Stern, erkennen IE7-Benutzer sofort wieder. Also dachte ich, dass die beiden bestimmt irgendwie zusammenarbeiten. Dem ist offensichtlich nicht so. Verwirrend.

Auch der gewohnte Benutzerordner glänzt durch Abwesenheit. Stattdessen gibt es Bibliotheken. Bibliotheken sind virtuelle Sammelverzeichnisse, die wiederum auf andere Verzeichnisse zeigen. Was in den Bibliotheken angezeigt werden soll, kann der Benutzer über sog. „Speicherorte” oben rechts einstellen. Es gibt die 4 Standardbibliotheken Bilder, Dokumente, Musik und Videos in denen man seine Dateien speichern und sortieren soll.

Unter jeder Bibliothek wird nochmals in „eigene $blub” und „öffentliche $blah” jeweils mit dem Verweis in die beiden unterschiedlichen Benutzerprofile differenziert.

Danach ist die ominöse Heimnetzgruppe aufgelistet, zu der ich bisher noch nicht viel sagen kann, außer, dass ich ein Passwort habe und anscheinend einen zweiten Win7 Rechner brauche. (Nachtrag: Ich widme dem ganzen Netzwerkkram irgendwann einen eigenen Artikel.

Unten verlieren sich dann das Computersymbol mit dem Zugriff auf die Laufwerke und das Netzwerksymbol. Die gefühlte Performance ist zu diesem Zeitpunkt in Ordnung. Vista war als Beta wirklich schlimmer.

Die Taskleiste

Die neue Taskleiste ist für mich schwer gewöhnungsbedürftig. Windows 7 hat das Bedürfnis seine Taskleiste so aufgeräumt zu belassen, wie sie ist. Die ersten Ansätze von früher mit der Gruppierung von Elementen in der Vertikalen sind hier optimiert. Programme kann man in der Taskleiste via Kontextmenü festpinnen oder lospinnen. Wenn ein Programm losgepinnt ist, verschwindet es nach dem Schließen. Ansonsten bleibt das Symbol in der Taskleiste stehen. Für einen notorischen „10-Fenster-auf-der-Taskleiste-offen-haber” wie mich begann hier eine schwere Zeit. Nach einigem Hin- und Hergeklicke reagiert die Taskleise am Beispiel Windows Explorer so:

  • Explorer-Symbol drücken – Explorer geht auf (ach was…)
  • Nochmal Explorer drücken – Explorer geht wieder zu. Und hier denkt man als alter Schnellstartleistenjunkie, dass eben noch ein Explorer aufgeht, weil die Symbole an deren ursprünglichen Stelle stehen.
  • „KontextmenüWindows Explorer” – Es öffnet sich das gleiche Fenster. Immer wieder.
  • Im Explorer in irgendein Verzeichnis wechseln und nochmal „KontextmenüWindows Explorer” Ein neues Explorerfenster geht auf! Windows denkt also: „Der kann doch nicht so blöd sein und zwei gleiche Explorerfenster öffnen. Da machen wir besser mal das alte auf.” Sehr ressoucenschonend.

Schön, jetzt habe ich mehrere offene Fenster. Das erkennt man an einer sehr schmalen Grafik des Taskleistensymbols, die zwei aufeinanderliegende Explorer darstellen soll. Habe ich erst einige Zeit übersehen. Der Zugriff auf das Fenster erfolgt, indem man kurz auf dem Symbol wartet, dann wird eine Kaskade angezeigt, die ohne Aero ziemlich bescheiden aussieht. Vielleicht ist es mit 3D wirklich übersichtlicher. Ich habe ein wenig in den Eigenschaften rumgeschaut, anscheinend kann man dieses System nicht mehr abstellen. In der Kaskade können einzelne Fenster geschlossen werden.

Apropos zig geöffnete Fenster: Ich vermisse meine Schnellstartleiste und „alle Fenster minimieren”!

Der Desktop und die Symbolleisten

Wie gesagt, mangels Aero in der VM, kann ich zur Eleganz der Optik keine Aussage treffen. Die Sidebar aus Vista gibt es nicht mehr. Die Minianwendungen kann man mittels Kontextmenü frei auf dem Desktop platzieren.

Ein neues Feature ist das Andocken am Bildschirmrand. Wenn man ein Fenster an den linken oder rechten Bildschirmrand zieht, kaskadiert sich das Fenster auf die Hälfte des Bildschirms. Zieht man es wieder weg, erhält das Fenster seine ursprüngliche Größe. Zieht man das Fenster an den oberen Bildschirmrand, wird es maximiert. Wenn der Andockpunkt mit dem Mauszeiger erreicht ist, verfärbt sich der Bildschirm dunkelblau. In meiner VM funktionierte übrigens die rechte Seite nicht.

Die Andockerei klappt nur mit Applikationen, welche der Funktion Sinn geben (sich also maximieren lassen), z.B. Notepad, Explorer, IE usw. Mit dem Taschenrechner ging es nicht.

Bei den Symbolleisten hat sich im Vergleich zu Vista nicht viel geändert. Zugriff auf die Sprachenleiste, Netzwerk und Freigabecenter, Lautsprecher… Moment, da schimmert doch ein unscheinbar graues Rechteck ganz hinten rechts in einer anderen Farbe… HURRAAAA ich habe „Desktop anzeigen” gefunden!

Startmenü und Programme

Am Startmenü hat sich nicht viel geändert. Die Symbole im Schnellzugriff des Startmenüs sind jetzt kaskadiert und bieten hinter einem Pfeil diverse Aufgaben und Verläufe an. Jaja, alles kommt wieder, man muss nur lange genug warten… Das Ganze fühlt sich usabilitytechnisch mit der „neuen” Programmverschachtelung wie eine Mischung aus XP und Vista an.

Dem Ausschaltknopf sieht man nun gleich an, welche Aktion beim Betätigen ausgeführt wird. Es ist ein Notizblock dazugekommen und die Powershell 2 ist auch schon an Bord. Weitere neue Programme sind mir beim Überfliegen nicht aufgefallen. Gab es das Utility „Verbindung mit Netzwerkprojektor” bei Vista schon?

Calc hat ein wenig Kosmetik und einen Programmierermodus bekommen, der, denke ich, mit der vereinfachten Umwandlung der Zahlenbasis und logischen Verknüpfungen auch für Netzwerker ganz interessant ist und zudem auch noch nett anzusehen. Notepad hat ein paar Funktionen von Word gemopst – wie auch die Ribbonoberfläche, bekannt aus Office 2007. Mit ein bisschen Willen kann man hier schon fast von einer halben Textverarbeitung sprechen. Bilder einfügen ist möglich.

Auch MSPaint kommt in Office 2007 Optik daher und enthält jetzt einige Goodies. Diverse Formen und Pinselarten, Lineal und Gitter gehören nun zum Repertoire.

Der IE8 ist bei Win7 gleich mit dabei. Die neuen Funktionen kann ich nicht beurteilen, da ich eine frühe Beta seinerzeit wieder deinstalliert habe. Da waren mir dann doch noch zu viele Fehler drin.

Spaßeshalber habe ich auch mal Sysprep angeworfen um neue SIDs zu generieren. Beim Loslegen quittierte das Programm mit einem Fehler. Das OS scheint aber nicht beeinträchtigt zu sein.

Die umgestaltete User Account Control fällt übrigens extrem positiv auf. Besser gesagt, sie fällt gar nicht auf. Wer als Admin unterwegs ist, bekommt nicht mehr wegen Hinz und Kunz die Abfrage vor die Nase gesetzt. Macht sich sehr gut.

Netzwerk

Der Zugriff auf die Netzwerkfunktionen wird im Netzwerk und Freigabecenter gesteuert. Ich muss zugeben, dieses Thema habe ich schon in Vista etwas vernachlässigt – also wie Microsoft Privatanwendern das Netzwerk nahebringen möchte. Netzwerker bzw. Sysadmins stellen die ganzen „Vereinfachungen” sowieso immer gleich aus und regeln Ihre Ressourcenfreigaben wie gewohnt mit SMB, UNC-Pfaden, Skripten, GPOs, Profilen oder meinetwegen auch Sharepoint usw. usf. Mit Mediaplayern als „Ressourcencenter” oder öffentlichen Ordnern hat man außer bei Exchange wohl eher weniger zu tun.

Wie eingangs erwähnt, habe ich eine virtuelle Netzwerkkarte im “Bridged Mode” eingestellt. Die Karte bekommt auch sauber seine DHCP Konfiguration vom lokalen Router zugewiesen. Der Standardzugriff von der Hostmaschine auf den Gast und vice versa ist möglich, der Internetzugriff im vorher eingestellten „Heimnetzwerk”-Profil jedoch nicht. Erst eine zweite Netzwerkkarte, diesmal im NAT-Modus, schaffte Linderung. Dem werde ich noch nachgehen.

Die erweiterte Freigabeeinstellung hat einen eigenen Link spendiert bekommen. Hier stellt man für jedes Profil die Sichtbarkeit und Art der freigegebenen Daten sowie die Zugriffsart/Berechtigung ein. Ein wenig Netzwerkspielerei zwischen Host und Gast hin und her brachte folgendes Ergebnis:

  • Netzwerkzugriffe klassisch, mit UNC Pfad – kein Problem
  • Zugriff auf die öffentlichen Ordner – klappte kennwortgeschützt und auch ohne Kennwort
  • Mediasharing via Mediaplayer – musste erstmal rauskriegen, dass man offenbar keine *.bmp Bilder in die Liste aufnehmen kann. Der Zugriff zwischen Host und Gast und umgekehrt hat nicht funktioniert.

Tja, und dann ist da noch die „Heimnetzgruppe”. Die Gruppe findet sich an allen fürs Netzwerk relevanten Stellen wieder. Das Feature scheint Microsoft also recht wichtig zu sein. Des Weiteren habe ich noch den neuen, ominösen Benutzer „AlphaUser$” und die Gruppe „Homeusers” in der Benutzerverwaltung entdeckt. Ob diese etwas damit zu tun haben? Wer weiß, wer weiß….

Damit möchte ich meinen ersten Überblick in Windows7 auch schon abschließen. Blut ist geleckt und in nächster Zeit steht noch eine ausführliche Beschäftigung mit den neuen Netzwerkfunktionen und mehreren Windows 7 VMs an. Weiterhin klingt der „Anmeldeinformations-Manager” aus der Systemsteuerung recht spannend. Dann möchte ich Win7 natürlich auch irgendwann in der virtuellen Lernschmiede-Domäne begrüßen.

Den einen oder anderen Blick in die Bordhilfe habe ich dann doch gewagt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch manche Stilblüten, die für unverhofftes Grinsen sorgen. Also schnell noch zugreifen, bevor eine saubere Übersetzung den Spaß zunichte macht 🙂

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