Bundestagswahl 2009
Dies hier ist ein unpolitischer Blog – und wird es auch bleiben. Obwohl ich meinen Nase
zum Gutteil meiner Freizeit in die unterschiedlichsten Quellen des politischen Spektrums stecke, um mir wenigstens den Hauch von Willensbildung vorzugaukeln, bleibt dies zur Bundes-tagswahl der einzige Eintrag. Meine Meinung zum Thema ist auch recht schnell erklärt:
1. Wählen gehen. Nichtwählen ist keine Option, da sich die Anzahl der Abgeordneten nicht proportional zur Wähler-beteiligung verhält. Protest-Nichtwahl interessiert nieman-den ernsthaft, der > 7000 Euro Diät und eine Altersversorgung vom Feinsten vor Augen hat. Kleinstparteien mit Themen zu allem möglichen und unmöglichen gibt es genug und keinen Grund zuhause zu bleiben. Auch schlecht abgekupfertes “Geh (nicht) Wählen” Viralgedöns sollte davon nicht abhalten. Außerdem ist das besorgniserregende Betroffenheitsgetue nach der Wahl “…die Anzahl der Nichtwähler ist erschreckend…” nur schwer zu ertragen.
2. Wahl-O-Mat. Der “WOM” ist derzeit in aller Munde. Die Web-Applikation vergleicht rund 40 Thesen mit den Standpunkten der Parteien und gibt im Abschluss die Partei mit den meisten Übereinstimmungen zurück. Finde ich gut. Allerdings hat mich schon zur Europawahl im Juni aufgeregt, dass nur 8 Parteien gleichzeitig in der Summe der Übereinstimmungen verglichen werden können.
…wählen Sie erneut acht Parteien aus
Die Regierungs- und Oppositionsparteien stehen im Ergebnis ganz oben und andere Mitbewerber müssen mühsam an- und abgewählt werden. Wer auch nur einen einzigen Artikel zum Thema Usability gelesen hat, kann die Folge abschätzen. Ich halte diese technische Beschränkung für suggestiv und habe dies seinerzeit auch an die Bundeszentrale für politische Bildung geschrieben:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich finde es äußerst traurig, dass eine solch sinnvolle Applikation wie der Wahl-O-Mat nur noch bedingt zur Entscheidungsfindung taugt. Um wirklich alle Ergebnisse miteinander zu vergleichen, müssen alle Parteien in Blöcken zu 8 einzeln angewählt werden, die Partei mit den meisten Übereinstimmungen aufgeschrieben, und zum Schluss nochmals ein Vergleich mit den besten Ergebnissen aus den vorherigen “Durchgängen” durchgeführt werden. So sperrig, wie sich das hier liest ist es dann auch. Insbesondere nach dem Durchlesen der Begründung der FAQ kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass hier suggestiv gearbeitet wird – was bei mir ein bitteres “Geschmäckle” hinterlässt. Bitte wo leidet die Übersicht darunter, wenn der Teilnehmer die meisten Übereinstimmungen _aller_ Parteien in auf- oder absteigender Reihenfolge präsentiert bekommt?
Ich hatte den Wahl-O-Mat in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis immer empfohlen, dieses Mal jedoch nicht. Ob sich daraus bei der Wahl für politisch eher uninteressierte Menschen ehrlichere Ergebnisse ableiten, wage ich zu bezweifeln. Bitte stellen Sie den Wahl-O-Mat bei der nächsten Wahl wieder in vollem Funktionsumfang zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Fritz
Die Beschränkung der gleichzeitigen Auswertung auf acht Parteien sollte vor allem der Übersicht und Vergleichbarkeit dienen.
Die Antwort:
Sehr geehrter Herr Fritz,
zunächst herzlichen Dank für Ihr Interesse am Wahl-O-Mat.
Gerne nehme ich Ihren Vorschlag mit in die Wahl-O-Mat Redaktion. Der Wahl-O-Mat wird

u.a.
aufgrund von zahlreichen Vorschlägen von Nutzerinnen und Nutzern kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Beschränkung der gleichzeitigen Auswertung auf acht Parteien sollte vor allem der Übersicht und Vergleichbarkeit dienen. Ein Vergleich von 38 Thesen mit nun 29 Parteien ist im Wahl-O-Mat graphisch nicht in einer übersichtlichen und für den Nutzer vernünftig dastellbaren Weise möglich.
Dennoch können Sie Ihre Position mit allen 29 Parteien vergleichen:
- Wählen Sie einfach unter der ersten Auswertung den Link zur “Zurück zur Parteienauswahl”
und wählen Sie erneut acht Parteien aus
- Oder vergleichen Sie Ihre Position mit allen 29 Parteien auf einer Übersicht aller 29 Parteiantworten als PDF (auf der Seite “Ihre Positionen im Vergleich)
Es würde uns freuen, wenn wir auch Ihr weitergehendes Interesse an den zahlreichen
Informationsangeboten der bpb wecken konnten.
Mit freundlichen Grüßen
… im Westen nix neues also, die Begründung ist aus meiner Sicht der blanke Hohn. Vielleicht wäre ich mit 3 Textbausteinen glücklicher gewesen. Ach, das waren sie schon? Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Vermutlich hat die Beschränkung ihre Ursache auch nur in enorm kniffligen, programmiertechnisch außerordentlich diffizilen Problemen – und der Übersicht, natürlich.
Das war’s auch schon zum Thema. Ich gebe zurück ins Programm.
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