Helmut Lotti Konzertbericht
Keine Sorge, ich werde diese Seite definitiv nicht zu einem Helmut Lotti Fanblog verkommen lassen. Deswegen schließe ich mit nachfolgendem Konzertbericht die kleine Trilogie auch endgültig ab.
Nachdem der Weihnachtsmann also zwei Konzertkarten durch den Kamin geworfen hatte, machten wir uns am dritten Januar abends auf in Richtung Beethovenhalle Bonn, wo das Event stattfand. Es herrschte so gut wie kein Verkehr auf den Straßen, was die Nerven ungemein schonte und die Anfahrt recht kurzweilig gestaltete. Am Ort des Geschehens waren sogar noch Parkplätze frei, obwohl böse Zungen behaupten, der Parkbereich sei bei jeder Veranstaltung überfüllt. Mit ca. 45 Min. Vorlauf fand ich die Ankunftszeit auch nicht besonders früh. Schnell noch einen Parkschein gezogen, um den Politeusen keine Spätabendprovision zu gönnen – und ab in die Halle.
Innen hatte sich schon ein buntes Völkchen versammelt. Der …ähem… leicht gehobene Altersdurchschnitt machte mir Angst stach mir regelrecht ins Auge. War ich am Ende doch bei „Gitti & Erika” gelandet, oder schlimmer: Ist Lotti vielleicht gar kein „Flotti” sondern nur ein fleischgewordenes Schnabeltässchen aus einem belgischen Altenheim? Oder bin ich am Ende einfach nur in einem _gemäßigteren_ Lebensabschnitt angekommen?!?
Nun ja, rein ins Getümmel. Der Eingangsbereich ist großzügig gestaltet und der Einlass ging schnell von statten. Für das leibliche Wohlbefinden wurde mit Hilfe einer Bar und einem Brezelstand, dem Anlass entsprechend, ausreichend gesorgt. Selbst für Freunde des blauen Dunstes gab es ein „kleines Raucherfoyer”, welches recht überfüllt war.
Die Konzerthalle hielt die nächste positive Überraschung für uns bereit. Der Raum war schon gut gefüllt. Auf dem Weg zu unseren Plätzen im Parkett unten rechts waren ungefähr 7 Reihen leer. Und dazwischen – wir. Allein. Nun gut, Plätze eingenommen und auf den Veranstaltungsbeginn gewartet. Um es kurz zu machen: Die von uns befürchtete Gruppe verspäteter Konzertgänger aus dem Lotti-Fanbus kam nicht mehr! Neidische Blicke aus den übervölkerten Reihen um uns herum. Hehe. Nun, der offensichtlich nicht ganz so erfolgreiche Ticketdealer hat ab heute zumindest einen Kunden mehr. Die Sicht war durch diesen Umstand vom Feinsten.
Licht aus, Show an. Die Bühne war im typischen Bigband/Orchesterstil mit schildartigen Blenden vor jedem Musiker angeordnet. Die Bühnenkulisse war eher spartanisch. Die Lichtverhältnisse wirkten zuerst genauso, sollten mich jedoch später eines Besseren belehren. In der Mitte ragte eine Showtreppe in Miniaturausgabe in die Höhe. Das Golden Symphonic Orchestra und der Meister himself marschierten ein und legten auch gleich beswingt mit „Meckie Messer” in Deutsch los. Vor/nach den meisten Liedern hatte Lotti eine kurze Anekdote, Infos oder einen Gag parat, mit dem er zum nächsten Titel überleitete. Die Songreihenfolge orientierte sich im ersten Teil – soweit ich mich erinnere – ziemlich genau an der Reihenfolge der aktuellen Lotti CD „Time to Swing”.
Während der ersten 3 Songs hatte ich den Eindruck, dass sich das Orchester und Lotti erst noch finden mussten. Hier und da waren kleine Ungereimtheiten zu hören, was bei Live Acts allerdings absolut nachvollziehbar ist. Zudem war der Gesang zu leise gemischt. Etwas sonderlicher war hingegen Lottis Sangeskunst, bei Profisängern erwarte ich, dass alle Töne getroffen werden. Dies war Eingangs nicht der Fall. Einmal auf Betriebstemperatur angekommen, war auch das (fast) kein Problem mehr. Ob der Monitor zu leise war, oder er tatsächlich Probleme mit den Stimmbändern hatte, wie er während des Konzerts andeutete, vermag ich nicht zu beurteilen. Meine Berfürchtung, Lotti pflegt bei unserem Konzert einen gepflegten Sylvesterkater aus, bestätigte sich himmelseidank nicht.
So swingte sich das Ensemble durch den gut einstündigen ersten Teil bis zur 25 Minütigen Pause, in der besagte Bar und der Brezelstand erneut gute Dienste leisteten. Der Gong rief zum zweiten Teil.
Das mit rund 20 Mann (und Frau) besetzte Orchester erklomm erneut die Bühne. Vorne links stand ein Flügel, dessen Virtuose mal als Pianist, mal als Dirigent fungierte und öfter als Orchesterleiter von Lotti vorgestellt wurde. Hinter dem Flügel war der Streichersatz positioniert und ganz oben die Background Singers. Rechts der Showtreppe saßen zwei Gitarristen und ein Bassist. Dahinter ein Bläsersatz und ganz oben residierte nochmal ein Flügel und das Schlagzeug.
Ein besonderes Lob verdienen definitiv der Bassist, die erste Geigerin, Costa der Gitarrist und der Backgroundchor. Während ich Bass und Gitarre aus fachlicher (Amateurmusikersicht) hohen Respekt zollen kann, war der Chor ein wirklich belebendes Element. Insbesondere die Background-Sopranistin, die auch 2 Duette mit Lotti schmetterte, war einfach klasse. Die erste Geigerin überzeugte mich durch einen tollen Einsatz. Man merkt finde ich einfach, ob Musiker ihre Musik nur abspielen – oder leben. Die Bläser hingegen hielten öfter ein Kaffeekränzchen. Der Zweck der zweiten Pianistin, die ab und an auch einen Schellenkranz bediente, erschloss sich mir nicht in Gänze.
Die meisten Songs im zweiten Konzertteil kann ich nicht mehr namentlich benennen. O Sole Mio, einige weitere Interpretationen von bekannten Chansoniers, ein Titel aus Lottis „Classics out of Africa” sowie das unvermeidliche „Nessun Dorma”, welches ich leider seit Paul Potts und der Telekom nicht mehr hören kann, legten den musikalischen Teppich entlang dem zweiten Showteil.
Zwischen den Songs kamen immer wieder Zuschauer nach vorn und brachten Lotti Geschenke, Präsente und Blumen auf die Bühne. Der wiederum wirkte erstaunlich agil, wirbelte auf seiner Showtreppe auf und ab und ließ sich gebührend feiern. Mehrmals wurde sogar eine kleine Steppeinlage geboten. Die Höhepunkte der Show waren zweifelsohne eine Gesangsgeinlage ohne Mikro (hier hörte man die angeschlagene Stimme schon recht deutlich) und das obligatorische Bad in der Menge bis hinauf in die Ränge. Da schwang selbst Omi Krause und Opi Fritz noch eine flotte Hüfte. Auch Lottis Markenzeichen, langgezogene Gesangseinlagen – gehalten auf einem Ton, beeindruckten mehrfach.
Nach dem furiosen Abschlussmedley, welches ich als Tribut an sein großes Vorbild Elvis Presley verstanden habe, war die Show dann auch schon vorbei.
Danke, lieber Weihnachtsmann!
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