Von virtuellen Maschinen
Virtuelle Umgebungen sind wohl eine _der_ Neuerungen im Infrastrukturbereich der letzten Jahre. Mit Hilfe von virtuellen Maschinen (VM) können alle möglichen und unmöglichen Situationen im Netzwerkbereich nachgestellt und durchgespielt werden. Kurz ein Windows, Linux oder BSD ausprobieren? Kein Problem. Eine ältere Software ist nur unter Windows 95 oder NT nativ lauffähig? Alles machbar.
In Unternehmen sind virtuelle Umgebungen äußerst praktisch, da den einzelnen VM genau die Ressourcen, also beispielsweise CPU-Zeit oder RAM, zugewiesen werden können, die sie benötigen. Dies ist um einiges effektiver, als ein Rechnerpark mit den unterschiedlichsten Servern, die von denen ein Gutteil evtl. zwecks Überdimensionierung nur Däumchen drehen.
Auch im Trainingsbereich (Netzwerke, Server,…) setzen sich virtuelle Umgebungen mehr und mehr durch, da der Lernende alle Komponenten seines Netzwerks unter Kontrolle hat / haben muss. Das schult den Blick für’s Ganze ungemein. Dafür leidet im Gegenzug das Teamwork. Wo früher zum Beispiel 3 Rechner zusammensgeschaltet wurden, damit eine Gruppe gemeinsam ein vorgegebenes Ziel erreicht, arbeitet in virtuellen Umgebungen jeder für sich. Meiner persönlichen Meinung nach überwiegen die Pro-Argumente deutlich, da Teamwork im Zweifel auch in virtuellen Umgebungen möglich ist.
Um was geht es?
Ein Virtualisierer ist eine Software, mit Hilfe dessen virtuelle Maschinen verwaltet werden. Der physikalische Rechner, auf dem diese Software läuft, wird als Hostrechner, oder einfach nur “Host” bezeichnet. Die eigentlichen virtuellen Maschinen sind analog dazu die sogenannten Gäste.
Virtuelle Maschinen sind simulierte PCs oder Server, die einen kompletten Rechner in Software abbilden. Die Virtualisierungssoftware versucht, den Rechner so gut wie möglich nachzustellen. Er soll sich genauso verhalten, wie ein physikalischer PC oder Server. Die Virtualisierungssoftware vergibt die physikalischen Ressourcen des Hosts an die laufenden Gäste. Wenn der Host z.B. nur 1024 MB RAM zur Verfügung hat, können keine zwei VM mit 512MB aufgesetzt werden. Die virtuelle Maschine verweigert dann den Start. Überhaupt sollte man mit RAM sehr großzügig sein. Zu wenig RAM im Verhältnis zu den laufenden VM bedeutet: Langsame VM – und der Host läuft auch nur noch in Zeitlupe. Kein Spaß, das Ganze.
Auch ein virtueller Rechner wird am eingangs mit (virtueller) Hardware bestückt. Netzwerkkarte, DVD-Laufwerk und natürlich die virtuelle Festplatte machen sich ganz gut im virtuellen System. Dann wird – ganz wie beim Vorbild – das Betriebssystem installiert und konfiguriert. Zu guter Letzt wird die VM in ein virtuelles oder auch an das physikalische Netzwerk gebunden, um z.B einen Webserver zu betreiben.
Der Markt
Software für die Virtualisierung gibt es mittlerweile zuhauf. Und die gute Nachricht zuerst: Viele Programme sind kostenlos und frei verfügbar! Den entscheidenden Schub gab wohl VMWare in 2006, die ihr bis dato kostenpflichtiges Serverprodukt VMWare Server zum kostenlosen Download freigab und damit andere Hersteller in Zugzwang setzte. Diese Aktion bescherte den Anwendern in direkter Folge die bisher kostenpflichtigen Microsoft Konkurrenten Virtual PC und Virtual Server ebenso zum kostenfreien Download. Selbstverständlich ist auch Open Source Software im Markt vertreten. Ein Beispiel hierfür ist die Virtual Box Open Source Edition von SUN. Virtualisierer gibt es für ziemlich jede Anforderung, vom Privatanwender, der ab und an eine VM zum Test anwirft, bis hin zu Enterprise Umgebungen mit spezialisierter Hard- und Software für höchste Effizienz & Leistung.
Vergleich
Eigentlich ist die Überschrift schon falsch, da ich an dieser Stelle keinen sauberen Vergleich aller Varianten und deren Funktionen durchführe, sondern eher meine subjektive Entscheidung für dieses oder jenes Produkt begründe. Im Laufe der letzten Jahre habe ich einige Virtualisierer getestet und bin immer wieder bei zwei Produkten hängen geblieben: Virtual Server 2005 von Microsoft und der Workstation von VMWare. “Ordentliche” Vergleichstests der unterschiedlichen VMWare und MS Editionen finden Sie z.B. hier und hier. Auch dort und dort gibt es weiterführende Informationen.
Als Trainer oder Teilnehmer im Microsoft Umfeld wird man immer wieder über dieses Produkt stolpern, da die offiziellen Microsoft Kurse (Microsoft Official Curriculum = MOC) in diesen Umgebungen bereitgestellt werden. In diesem Fall hilft weder Zetern noch Heulen, selbst wenn man andere Software bevorzugt. Virtual Server bietet folgendes:
- Ressourcenzuweisung: CPU-Ressourcen können prozentual an einzelne VM vergeben werden
- Kostenfrei: Bei Microsoft zum Download
- Unterschiedliche Netzwerke: Neben den Standardnetzwerken Extern und Intern können eigene virtuelle Netzwerke erstellt und verwaltet werden
- SCSI Komponenten: virtuelle SCSI Adapter und Festplatten werden unterstützt. Shared Medium für die Clusterunterstützung möglich
- läuft als Dienst (automatisches Starten der VMs nach einem Neustart des Hosts einstellbar)
Es gibt jedoch allgemeine Einschränkungen:
- kein Drag and Drop möglich: VHDMount oder Datenübertragung via Netzwerk
- keine USB Unterstützung
- keine multiplen Schnappschüsse
- kein NAT Netzwerk
Im Gegensatz zu Virtual Server 2005 und dem hauseigenen Produkt VMWare Server ist VMWare Workstation kostenpflichtig. Ich hatte VMWare Server ein dreiviertel Jahr im Einsatz, bin aber aufgrund immer wieder auftretender undefinierbarer Netzwerkprobleme wieder davon weggekommen. Woran es lag, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht “Fehler 30″, vielleicht nicht. Die für mich am höchsten gewichteten Vorteile von VMWare Workstation:
- unterschiedliche Netzwerke definierbar
- NAT Netzwerk möglich
- SCSI shared Medium wird unterstützt
- multiple Schnappschüsse möglich (Killerfeature!)
- USB Unterstützung
- Drag and Drop (vermisst man nur, wenn es _nicht_ da ist)
- Einfaches Cloning, unterschiedliche Varianten
- subjektiv sehr flott
- Bildschirmaufnahmen / Video
- gute Unterstützung aller möglichen und unmöglichen (64 Bit) Betriebssysteme
Nicht so schön:
- Ressourcenverteilung nicht so genau definierbar (nur CPU Anzahl und RAM allgemein für alle Maschinen, Swapping)
- kostet zwischen 150 und 200 Euro
- läuft nicht als Dienst (Einstellungen hierzu nur mit Frickelei möglich)
Lange Rede – kurzer Sinn: Ich verwende persönlich Virtual Server 2005 R2 SP1 und habe VMWare Workstation lizenziert.
Siehe auch: Virtual Server 2005 R2 SP1 – Überblick und Konfiguration
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